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Herzgesundheit: Ein gesunder Lebensstil lohnt sich

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind weltweit die häufigste Todesursache. Dabei wären viele davon vermeidbar. Wir haben mit dem Vorstand der Kardiologie der Klinik Floridsdorf, Prim. Doz. Dr. Georg Delle Karth, darüber gesprochen, was jede*r selbst für die Herzgesundheit tun kann.

Wie groß ist der Einfluss eines gesunden Lebensstils auf die Herzgesundheit?

Enorm. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind mit rund 1,6 Millionen Todesfällen pro Jahr die häufigste Todesursache in der Europäischen Union. Ein erheblicher Teil dieser Erkrankungen wäre durch einen gesunden Lebensstil vermeidbar. Es geht aber nicht nur darum, länger zu leben, sondern vor allem möglichst viele gesunde und aktive Lebensjahre zu gewinnen.

Welche Risikofaktoren gibt es?

Es gibt 4 Kennzahlen, die jede*r kennen sollte: den Cholesterinspiegel, den Blutdruck, den Nüchternblutzucker und das Körpergewicht. Diese Werte geben bereits einen sehr guten Eindruck vom persönlichen Herz-Kreislauf-Risiko.

Was sind die wichtigsten Dinge, die man selbst beachten sollte?

Eigentlich sind es nur wenige Maßnahmen, sie haben aber eine enorme Wirkung: Normalgewicht anstreben, nicht rauchen, sich regelmäßig bewegen und Alkohol nur in Maßen konsumieren.

Haben Sie Ernährungstipps?

Ebenso wichtig ist die Ernährung. Empfehlenswert ist eine mediterrane Kost mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Fisch und hochwertigen Pflanzenölen. Zuckerhaltige Lebensmittel sollten nicht zur Gewohnheit werden – insbesondere regelmäßige süße Snacks zwischendurch und gezuckerte Getränke sollte man möglichst vermeiden. Auch Fast Food und stark verarbeitete Convenience-Produkte enthalten oft zu viel Zucker, Fett und Salz. Selbst gekochte Mahlzeiten sind hier meist die deutlich bessere Wahl.

Was sagen Sie zum Argument, dass für Sport einfach keine Zeit sei?

Das höre ich tatsächlich oft. Dabei muss niemand Leistungssport betreiben. Schon regelmäßige Bewegung im Alltag bringt viel: Treppen statt Lift, eine Haltestelle zu Fuß gehen oder einen kurzen flotten Spaziergang machen.

Zusätzlich empfehle ich neben Ausdauersportarten wie Gehen, Laufen, Radfahren oder Schwimmen auch regelmäßiges Krafttraining sowie Koordinations- und Gleichgewichtstraining. Diese Kombination verbessert nicht nur die Herzgesundheit, sondern hilft auch dabei, Mobilität und Selbstständigkeit bis ins hohe Alter zu erhalten.

Gibt es Vorsorgeuntersuchungen und ab wann sollte man damit beginnen?

Ab dem mittleren Lebensalter sollte man regelmäßig eine Vorsorgeuntersuchung durchführen lassen. Dabei werden unter anderem Cholesterin, Blutdruck, Nüchternblutzucker und Körpergewicht kontrolliert. Die erste Anlaufstelle ist dabei immer der*die Hausärzt*in. Falls sich Auffälligkeiten zeigen oder zusätzliche Risikofaktoren bestehen, erfolgt die weitere Abklärung durch spezialisierte Internist*innen oder Fachärzt*innen für Kardiologie. Wer eine familiäre Belastung durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen hat, sollte diese Untersuchungen bereits in jüngeren Jahren durchführen lassen, um Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Rauchen gilt weiterhin als einer der größten Risikofaktoren. Was raten Sie Betroffenen?

Rauchen gehört zu den schädlichsten vermeidbaren Risikofaktoren überhaupt. Das gilt nicht nur für Zigaretten, sondern auch für erhitzte Tabakprodukte. Tabakkonsum schädigt Herz, Gefäße, Lunge und viele andere Organe, beschleunigt den Alterungsprozess und verursacht oft viele Jahre vermeidbaren Leidens.

Die gute Nachricht ist: Bereits kurze Zeit nach dem Rauchstopp beginnt sich das Herz-Kreislauf-Risiko zu verbessern. Österreich bietet niederschwellige Unterstützung an, etwa über das Rauchfrei Telefon und die Angebote von rauchfrei.at. Es ist nie zu früh und nie zu spät, mit dem Rauchen aufzuhören.

Hören Sie nicht oft das Argument, dass es sich in höherem Alter nicht mehr lohnt, mit Bewegung oder gesunder Ernährung zu beginnen?

Doch, sehr häufig. Meine Antwort ist immer dieselbe: Unser Herz-Kreislauf-System profitiert in jedem Lebensalter von einem gesünderen Lebensstil. Schon kleine Veränderungen können das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall deutlich senken und vor allem dazu beitragen, länger gesund, aktiv und selbstständig zu bleiben.

Vielleicht ein Beispiel aus Ihrer täglichen Praxis?

Ich betreue seit vielen Jahren eine heute 85-jährige Patientin mit ausgeprägtem Übergewicht. Dadurch litt sie unter mehreren Begleiterkrankungen wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck und erheblichen Gelenksbeschwerden. Bereits kurze Gehstrecken bereiteten ihr Atemnot, und ihre Lebensqualität nahm über die Jahre zunehmend ab.

Gemeinsam entschieden wir uns für einen Therapieversuch mit einer modernen gewichtsreduzierenden Medikamententherapie. Ein Jahr später hatte sie rund 20 Kilogramm abgenommen. Seither geht sie wieder regelmäßig mit ihrem Mann spazieren, ihre Lebensfreude ist deutlich zurückgekehrt und sowohl der Diabetes als auch der Bluthochdruck haben sich wesentlich verbessert. Für mich ist das ein schönes Beispiel dafür, dass auch im hohen Alter Veränderungen des Lebensstils – gegebenenfalls unterstützt durch moderne Medikamente – die Gesundheit und vor allem die Lebensqualität noch erheblich verbessern können. Es ist eben tatsächlich nie zu früh und nie zu spät, etwas für seine Herzgesundheit zu tun.